Entenkunde
"Ein Auto mit Platz für mindestens zwei Bauern, 50kg Kartoffeln, oder ein Fass Wein", forderte Citroens Generaldirektor Boulanger von seinen Konstrukteuren. Und 1937 war der Prototyp T.P.V. ("ganz kleines Auto") fertiggestellt! 1948, nach dem Krieg wurde das von den Franzosen streng geheimgehaltene Projekt Namens 2CV, (nach den damaligen Steuerklassen bedeutet dies soviel wie "zwei Pferdestärken") auf dem Pariser Automobilsalon vorgestellt. Damals noch mit neun PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 65 km/h. Damit begann für Citoen eine tierische Erfolgsgeschichte: Die Ente war geboren! Bis zum Produktionsende vergingen über 50 Jahre und 7 Millionen Einheiten sind von den Bändern der Citroen-Werke "geflogen". 1990 kam der 2CV 6 Club auf 29 PS und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 113 km/h.
Der Weg des 2 CV: Seit 1939 in verschiedenen Prototypen existierend, stellte Citroen - wie oben erwähnt - den 2CV erstmals auf dem Pariser Automobilsalon im Jahr 1948 vor. Unter allerstrengster Geheimhaltung wurde "Döschwo" von der gefürchteten Deutschen Konkurrenz gehalten. (angeblich wollte VW damals eine Zusammenarbeit, die Citroen aber strikt verweigerte! Genaueres ist nicht bekannt) Der damaligen Citroen-Boss liess vor Kriegsausbruch sogar von den 250 Prototypen fast alle vernichten, um so zu verhindern, dass dieses geniale Automobilkonzept in Deutsche Hände fallen konnte!
Eine interessante Variante der Ente wurde das 1958 eingeführte Modell "Sahara". Der Wagen bekam einen zweiten Motor ins Heck, der die Hinterräder antrieb. So entstand eine wahlweise zwei- oder vierradangetriebener Wagen, der in der Lage war, auch sandige Dünen zu meistern. In Deutschland blieb er jedoch fast ohne Bedeutung.
Eine wichtige Neuerung war 1960 die Motorhaube ohne Seitenteil. 1965 brachte weitere Änderungen: Hydraulische Stoßdämpfer und einen neuen Frontgrill sowie ruckfreien Gleichlauf-Antriebsgelenken und Stoßstangenhörnern bzw. -Bügeln. (je nach Modell und Ausführung) Auch das dritte Seitenfenster wurde nun Standard.
Zur IAA 1967 feierte die Citroen Dyane Premiere. Obwohl die Karosserie völlig neu gestaltet wurde, ist die Herkunft vom 2CV unverkennbar geblieben. Die Dyane bietet auch ganz ähnliche Innenraummaße, bei allerdings etwas schmäleren Türen, vor allem hinten. Zwei Motoren standen anfangs zur Wahl: Boxermotor mit 18 PS aus 421ccm, oder 597 ccm-Motor (Dyane 6), der es auf 21 PS brachte. Die Dyane blieb jedoch immer das "gehasste" Stiefkind und war nie so erfolgreich wie Ente, wenn auch die Motoren kurz vor Produktionsende mit 32 PS stärker waren als die der Ente. (max. 29 PS, 2CV6 Club)
Ein lustiges Gefährt ist der Citroen Mehari, eine weitere Ableitung aus der Enten-Familie. (besitzt die Chasis der Ente) Er wurde im Mai 1968 in Frankreich vorgestellt. Der Name des Strand- und Jagdwagens für schwierige Gelände verdeutlicht übrigens eine enge Bindung von Frankreich an Afrika, denn Mehari bedeutet nichts anderes als "Renn-Dromedar" und erinnert an die berühmte Kamelreitertruppe Nordafrikas. Bei uns war der Mehari jedoch eher ohne Bedeutung.
Die Ente war mit 7 Millionen verkauften Exemplaren das erfolgreichste Automobil Frankreichs und eines der meist-verkauften Europas. (Dank der genial-einfachen Konstruktion und nahezu unverwüstlichen Technik ist sie so beliebt.) Die Lieferzeit betrug in den 60/70er Jahren knapp 8 Jahre. Zu Spitzenzeiten wurden täglich über 1.000 Einheiten produziert. Erst im Jahre 1988 war das Ende der Ente in Frankreich gekommen. Die Kundenwünsche änderten sich und für den Citroen-Konzern war mit "Döschwo" kein Geld mehr zu verdienen. Bis 1990 "folgen" die letzten Enten in Portugal, bis die Produktion dann schließlich endgültig eingestellt wurde.
Jede Erfolgsstory hat eben ein Ende, doch das der Ente ist noch lang nicht gekommen, denn geblieben sind die zahlreichen Fans und Freunde, die noch lange Zeit mit ihren brav-federnden Enten saussen werden.